Zur Bündnisdemonstration
Gegen 12 Uhr setzte sich die Bündnisdemonstration gegen den Naziaufmarsch mit etwa 200 Menschen in Bewegung. Vertreten waren der DGB, Kirchen, Bürgerbündnisse des Harzkreises und autonome AntifaschistInnen. Neben dem Lautsprecherwagen des DGB war auch ein „Rave-Mobil“ vor Ort, um die Stimmung ordentlich anzuheizen und mit guter Musik die Demo zu begleiten.
An der Steinbrücke / Ecke Oehringer Straße fand eine Zwischenkundgebung statt, wo es 1992 mehrere Tage zu pogromartigen Angriffen auf eine MigrantInnenunterkunft kam. Redebeiträge des damaligen Oberbürgermeisters und eines Vertreters der ehemaligen „Antifa HaQu“ wurden gehalten, um die Geschehnisse von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Während der erste Redebeitrag den Verlauf der Pogrome beschrieb, ging der Redebeitrag der ehemaligen Antifa HaQu auf die Zusammenhänge mit der damaligen Verschärfung des Asylrechts ein und stellte den staatlichen Rassismus in den Vordergrund. Im Fortgang der Demonstration wurde immer wieder „Nazis morden – Der Staat schiebt ab“ skandiert, um auf die nach wie vor unerträglichen Zustände der Abschiebepolitik Deutschlands hinzuweisen.
Die Bündnisdemonstration endete auf einer Wiese vor den Berufsbildenden Schulen, die dieses Jahr als erste BbS in Sachsen-Anhalt den Titel „Schule ohne Rassismus“ erhielten und aufgrund dessen als Kundgebungsort der Nazis auserwählt wurden. Kostenloser Kuchen und Getränke standen für die GegendemonstrantInnen bereit, die Redebeiträgen und Musik lauschten. Ein Vertreter der Stadt („Lob an die Polizei!“), die Schulleiterin der BbS („Danke für die große Unterstützung!“) sowie ein Aktivist der lokalen Antifa („Gegen Verschwörungstheorien und verkürzte Kapitalismuskritik!“) kamen zu Wort. Im Anschluss setzte sich eine größere Menschenmenge Richtung Carl-Ritter-Straße in Bewegung, wo kurzfristig eine Antifa-Kundgebung nahe der Naziroute angemeldet worden war.
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Zur Polizeitaktik
Wie schon im vergangenen Jahr bestand die Taktik der Polizei in Quedlinburg darin, den Nazis eine störungsfreie Route zu verschaffen. Das Konzept der räumlichen Trennung ging größtenteils auf. Die Cops konzentrierten sich darauf, vermeintliche GegendemonstrantInnen von der Route der Nazis fernzuhalten und begleiteten, nachdem die Bündnisdemonstration aufgelöst wurde, den Naziaufmarsch selbst nur noch mit einem Streifenwagen und zwei Polizisten an der Spitze. Vereinzelt schafften es Menschen, an die Route der Nazis zu gelangen. An vielen Stellen war jedoch kein Durchkommen möglich. Die Polizei kesselte für etwa 2 Stunden 30 Personen im Wordgarten auf dem Weg zum Bahnhof, zeitgleich eine ebenfalls 30-köpfige Personengruppe in der Weberstraße. Abseits des eigentlichen Geschehens ließ die Stendaler Bereitschaftspolizei dann nochmal richtig den Knüppel aus dem Sack. Ein Antifaschist wurde mit Hematomen an den Armen und Schmerzen in Rippen- und Magengegend kurzzeitig ins Krankenhaus eingeliefert. Der Ermittlungsausschuss und Anwälte vor Ort hatten einiges zu tun, mussten jedoch keine Festnahme verzeichnen.
Zum Naziaufmarsch
Nach einer etwas verzögerten Ankunft und einer guten Stunde Verspätung marschierten knapp 70 Nazis ohne Kundgebung und Lautsprecheranlage durch Quedlinburg. Von ihrem angekündigten Redner, Axel Reitz aus Köln, war nichts zu hören oder zu sehen. Angemeldet war der Naziaufmarsch von 10 – 14 Uhr. Als der Naziaufmarsch sich gegen 13 Uhr in Bewegung setzte, stellten sich die GegendemonstrantInnen auf eine recht kurze Naziroute ein. Jedoch wurde den Nazis mit tatkräftiger Unterstützung der Polizei die Möglichkeit eingeräumt, ihre Anmeldezeit um 2 Stunden zu überziehen.

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Fazit
Im Rückblick auf den Naziaufmarsch im vergangenen Jahr ziehen lokale AntifaschistInnen ein positives Fazit. Durch einen kleinen, aber feinen Antifa-Block an der Spitze der Bündnisdemonstration, mehreren Redebeiträgen sowie 1200 verteilten Flugblättern ist es gelungen, antifaschistische und emanzipatorische Positionen in das Bündnis hineinzutragen und zu stärken. Trotz vieler erfreulicher Punkte bleibt festzuhalten, dass sich die Beteiligung von antifaschistischer Seite in Grenzen hielt. Es hätte durchaus mehr gehen können. Der Naziaufmarsch konnte nicht effektiv blockiert werden, doch erzielten die Nazis nur eine geringe, sehr fragwürdige Außenwirkung. Auch organisatorisch scheint der Naziaufmarsch ein reines Desaster gewesen zu sein. Um Marcel Hinze und Andreas Bachner, die so genannte „Aktionsfront Harz“, dürfte es in Zukunft still werden.























